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Kein Platz für Emma: Betreuungsangebot in Staufenberg ungenügend

Sein Familienleben hat sich Nils Stanoschek sorgenloser vorgestellt. Töchterchen Emma (2), bislang bei einer Tagesmutter untergebracht, sollte ab dem Sommer eigentlich altersgerecht in den Kindergarten gehen. Doch es fehlt in der Gemeinde Staufenberg an Betreuungsangeboten.

Staufenberg. „Hier gibt es drei Kindergärten und nach meinen Berechnungen fehlen 60 Plätze an der Zahl. 2020 fehlten bereits 40 Plätze. Ich frage mich, warum in der Vergangenheit nichts unternommen wurde, diesen Trend zu stoppen? Man wusste in der Verwaltung augenscheinlich längere Zeit von dem Problem, warum wurde nicht reagiert? Wir sind nun die Leidtragenden und haben, wie zahlreiche andere Eltern auch, leider keinen Platz für das eigene Kind bekommen.“

Vater ruft Initiative und Petition ins Leben

Der 36-jährige Vater will sich damit nicht einfach so abfinden und gründete mit anderen betroffenen Eltern zusammen die Initiative „Kitamangel Staufenberg“, rief eine Petition ins Leben, die bislang von rund 300 Personen unterzeichnet wurde. Er und seine Mitstreiter hätten sogar versucht, beim Landkreis Göttingen auf das Problem hinzuweisen, damit Druck auf die Gemeinde Staufenberg ausgeübt werden könne. Mit bislang mäßigem Erfolg, denn der Kreis habe zunächst darauf verwiesen, dass das Schaffen von Kita-Plätzen Aufgabe der Gemeinde sei. „Meine Recherchen haben ergeben, dass die jährliche finanzielle Unterstützung des Landkreises von 350.000 Euro auf das Doppelte aufgestockt wurde. Ich frage mich was mit dem Geld passiert?“, fragt Stanoschek. Die Corona-Pandemie habe das Familienleben zusätzlich komplizierter gemacht. So habe die Tagesmutter mehrmals schließen müssen, Töchterchen Emma sei dann zu Oma und Opa gekommen. Nun stehe das nächste Problem mit dem verwehrten Kita-Platz vor der Tür. „Ein unhaltbarer Zustand“, findet der 36-Jährige. Hinzu kämen die stark eingeschränkten sozialen Kontakte in Covid-Zeiten: „Unsere Tochter freut sich, wenn sie überhaupt mal mit anderen Kindern spielen darf, was sehr selten geworden ist.“

Nun stellt sich für die Familie die Frage, wo die kleine Emma ab Juni unterkommen soll. Die letzte Hoffnung wäre die Betreuungsverlängerung bei der Tagesmutter um ein weiteres Jahr. Dann wäre das Mädchen allerdings mit Jüngeren zusammen. Der 36-Jährige glaubt nicht, dass diese Notlösung für die Entwicklung seines Nachwuchses förderlich ist und rechnet mit Defiziten, die vermutlich später sichtbar würden. „Aber was bleibt uns anderes übrig?“, zuckt er enttäuscht mit den Achseln.

2016 ist Nils Stanoschek aus Niestetal nach Staufenberg gezogen, um hier seine Familie zu gründen. Hätte er damals von dem Betreuungsproblemen an seinem neuen Wohnort gewusst, hätte er sich das laut seiner Aussage zweimal überlegt, ein Staufenberger Bürger zu werden. Mit etwas Neid denkt er heute an seine alte Heimat zurück: „Auch in Niestatal gibt es eine große Nachfrage bei Kindergartenplätzen. Deshalb hat man dort einen Container-Kindergarten geschaffen, das Gelände eingezäunt. Es ist eine einfache Lösung, wenn auch nur vorübergehend. Meiner Meinung nach immer noch besser, als nichts zu tun und die Hände in den Schoß zu legen.“

Kein Kommentar von Bürgermeister Grebenstein

Auf telefonische Nachfrage wollte Staufenbergs Bürgermeister, Bernd Grebenstein, die derzeitige Situation nicht kommentieren. Er verwies an den Landkreis als Träger der Einrichtungen.

Landkreis: Kitas sind Aufgabe der Gemeinden

Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen, teilte auf Anfrage folgendes mit: „Der Landkreis ist als Träger der öffentlichen Jugendhilfe für die Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen zuständig, hat jedoch diese Aufgabe mittels einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung seit Jahrzehnten an die Gemeinden des Landkreises übertragen. Auch die Gemeinde Staufenberg hat die Vereinbarung unterschrieben, mit allen Rechten und Pflichten.“

Demnach hätten die Gemeinden, so auch Staufenberg, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz sicherzustellen. Auf dieser Grundlage finanziere der Landkreis die Kita-Betreuung in den Gemeinden mit einem Betrag von 4 Millionen Euro jährlich. „Diese Summe wird mit dem Nachtragshaushalt 2021 zur Entlastung der Gemeinden durch einen einmaligen Zuschuss von zusätzlich 6 Millionen Euro erhöht. Den Gemeinden stehen damit Mittel in erheblichem Umfang für die Schaffung von Kita-Plätzen zur Verfügung“, so Lottmann. Und weiter: Die Situation der Kinderbetreuung in der Gemeinde Staufenberg sei bekannt. Bereits seit 2018 habe die Kreisverwaltung die Gemeinde Staufenberg beraten und die Gemeinde habe mehrfach angekündigt, mit entsprechenden Maßnahmen, zu der unter anderem der Neubau eines Kindergartens gehören sollte, diese Probleme zu lösen. Die Umsetzung solcher Maßnahmen, so Lottmann, liege einzig in der Verantwortung der Gemeinde Staufenberg.

„Der Landkreis hat außerdem die Gemeinde bei der Erfüllung ihrer Pflicht zur Sicherstellung ausreichender Betreuungsplätze unterstützt, beispielsweise durch Vermittlung von Plätzen in der Kindertagespflege. In diesem Jahr zeichnet sich jedoch ab, dass Plätze in der Kindertagesbetreuung in der Region restlos belegt sind. Der Landkreis hat der Gemeinde noch einmal detailliertere Vorschläge zur Bereitstellung weiterer Plätze zum 1. August 2021 vorgelegt. Die Umsetzung dieser Vorschläge liegt in der Verantwortung der Gemeinde Staufenberg“, informierte Lottmann. Der Landkreis empfiehlt den betroffenen Familien, weiter auf die Gemeinde Staufenberg zuzugehen und um Bereitstellung von Betreuungsplätzen zum 1. August zu bitten. Noch seien bis zum Start des neuen Kita-Jahres fünf Monate Zeit, um für Lösungen zu sorgen, bei denen der Landkreis die Gemeinde bei Bedarf gerne unterstütze.

Nils Stanoschek jedenfalls sieht die derzeitige Lage in Staufenberg für junge Familien kritisch. Eine gut durchdachte Familienpolitik sehe anders aus.

Quelle: https://www.lokalo24.de/lokales/hann-muenden/kein-platz-fuer-emma-betreuungsangebot-in-staufenberg-ungenuegend-90287326.html